„Hach, sei nicht immer so altklug!“

Kinners, Kinners….ich wundere mich hier die ganze Zeit, wie es aus der Stracke nur so herausplappert, auf facebook, im Podcast, im Journeling-Heft, bei youtube, per Telefon, Skype, zoom etc. – und das nach jahrelangem (satt 2stellig) Schweigen und einer gelinde gesagt miserablen Bühnenerfahrung (= Sicht- und Hörbarkeit) aus einem meiner „Vorleben“….

„Hach, sei nicht immer so altklug!“

Keine Ahnung, wie oft ich diesen Satz von meinen Eltern gehört habe. Oft. Mehr als oft. Bis es dann irgendwann abebbte, weil ich einfach meine Klappe gehalten habe.

Dabei – ganz ehrlich – wusste ich bis zum zarten Alter von ca. 16 oder 17 Jahren gar nicht so recht, was dieses Wort „altklug“ denn eigentlich bedeutete.

Ich kannte „alt“ – das war im Prinzip erstmal nichts Schlechtes. „Alt“ waren für mich als Kind meine Eltern. Die Lehrer. Andere Verwandte. Die Erwachsenen halt. Und die machten doch immer alles richtig, was die sagten, musste ich machen. Oder?

Und „klug“? Ich verstand nicht, was an „klug“ so schlimm sein sollte. Wurde ich doch stets zu Höchstleistungen angetrieben. Im Kindergarten, in der Schule, beim Sport…je besser und klüger ich war, desto besser die Zensuren, desto besser die Stimmung zu Hause.

„Hach, sei nicht immer so altklug!“

Wenn ich auch hinsichtlich des inhaltlichen Verständnisses ziemlich auf dem Schlauch stand – der Tonfall, in dem dieser Satz ausgesprochen wurde, war unmissverständlich.
Genervt, ärgerlich, geringschätzig, überfordert, gelangweilt, abwertend.

Die Botschaft, die landete: du redest zuviel, du bist hier zuviel, mehr als flüssig nämlich überflüssig, zu (vor-)laut, zu vorwitzig, du spielst dich zu sehr in den Vordergrund, das, was du zu sagen hast, will kein Mensch wissen, wen interessiert das schon, und im Übrigen redest du bitte nur, wenn du gefragt wirst.

Okay, Botschaft angekommen.

Hat auch die Kindergartenzeit hindurch prima funktioniert. Klappe halten, mit Fragen sparsam umgehen und ansonsten still beobachten und warten, bis ich gefragt werde.

Jetzt probiere aber mal, mit diesem Konzept die Grundschule zu überleben. Ohne mich zu kennen, weisst du, was auf dem ersten Zeugnis stand:
„Beteiligung am Unterricht – mangelhaft.“
Dass die schriftlichen Fächer alle gut waren, half nichts: „mangelhaft“ – ein Stigma, eine Schande!! Das muss sich ändern!

Aha, also doch sprechen. Am besten das, was die Lehrperson da vorne hören möchte und dann schnell wieder aufhören. Eigene Gedanken: nicht erwünscht. Schweife nicht vom Thema ab!

Mutters Spruch in meinem Poesiealbum (oh, oh, Poesiealbum – ein Thema für sich!): „Sage nicht alles, was du weisst, aber wisse immer alles, was du sagst!“

So so. Meine kindliche Logik (die mir übrigens bis heute erhalten blieb) folgerte:
aha, 1. ich muss also immer ein bisschen was zurückhalten. Aber was und wieviel?
2. Alles, was ich sage, ist doch schon in mir, also weiss ich es doch schon. Sonst könnte ich es ja nicht sagen. Oder bedeutet das, dass alles, was ich sage, tatsächlich stimmen muss?

Dann hätte ich echt schlechte Karten, denn ich hatte die vielen Regalmeter der Gemeindebibliothek vor Augen, die ich zur Untermauerung meines Wissens noch abarbeiten musste. (Was mir tatsächlich noch während meiner Grundschulzeit gelang! Zumindest das Abarbeiten der Kinderbibliotheks-Meter. Von den Erwachsenen-Metern musste ich mit Vehemenz ferngehalten werden…*grinsheutenoch*)

Was soll ich sagen: Meine Verwirrung war komplett. Meine Unsicherheit auch. Statt so richtig am Leben teilzunehmen, war ich die meiste Zeit damit beschäftigt, mir aus dem Verhalten und den Reaktionen der anderen Menschen Regeln und Richtlinien zusammen zu stricken, mit denen es möglichst gut läuft.

Logisch, wie´s dann gelaufen ist: Der eine will es so, die andere mag es anders, das was bei X geht, ist für Y ein Unding…..Fazit: Möglichst wenig sagen, dann setzt man sich auch nicht in die Nesseln.

Dann geht in deinem eigenen Leben aber auch nichts so richtig voran. Dann verlierst du dich selber unterwegs irgendwo. Dann schwimmst du immer nur so lala in dem mit, was „man so macht“. Und, ganz pragmatisch: du verlernst das Reden.
Konversation, Diskussion, Debatte, Small-Talk, Argumentation, Erfahrungsaustausch – nix mehr da!

Ey, das kann´s nicht sein.

Leben ist doch etwas lebendiges, oder? Lebendig wird´s durch Wechselwirkung! Mit Artgenossen! Resonanz, spiegeln und gespiegelt werden, anecken, meinetwegen auch mal kräftig zusammenrasseln, mitschwingen – nur dann spürst du dich so richtig, nur dann wird jede Saite, die in dir ist, mal zum Klingen gebracht und nicht immer nur dasselbe alte abgenudelte Lied gespielt.
Nun ja, bei uns Menschen gehört die Sprache, das Reden nun mal ziemlich vorne weg mit dazu.

Also Stracke, Augen auf im Strassen(=Lebens)verkehr: WAS ist es, was du willst? Welche Ansprüche hast du an dich und den Rest deines Lebens? So weitermachen wie bisher?

Die letzte Frage war schnell beantwortet: nö. Ist mir zu wenig.

Das WAS war wesentlich schwieriger….in meinem haushaltsüblichen Denken landete ich immer nur bei dem, was ich NICHT (mehr) will….das ist aber jetzt blöd…

Ja. ebenso blöd wie normal, wenn du Zeit deines Lebens ein Weltwunder in Sachen Anpassungsfähigkeit warst. Wenn du nur nach den Pfeifen anderer Leute getanzt hast. Dann darfst du dich tatsächlich auf Forschungsreise begeben und die Kerne deines eigenen Wesens wieder zusammensuchen!

Wer bin ich eigentlich? Was macht mich aus? Was ist mir wichtig? Was macht mir wirklich Freude? Wo will ich (noch) hin? Wer will ich sein/werden? Wozu bin ich eigentlich hier? Wo und was ist der Sinn?

Spannend, spannend, kann ich dir sagen! Vom haushaltsüblichen Durchschnittsmenschen zum Homo premium, yeah!

Klar, nicht ohne die typischen Pannen einer echten Expedition. Es werden Grenzen auftauchen. Kaum hast du die eingerissen, erscheint das nächste Hindernis, welches du einreissen musst.
Mut gehört schon dazu. Aber:

Die Grenze hinter der Grenze ist auch immer nur eine Grenze!

Und noch eines muss dir klar sein:

DU musst es MACHEN!

Die Kohlen, die da im Feuer liegen, sind deine eigenen. Da kommt kein Prinz auf dem weissen Pferd und holt sie dir da raus.

Hat etwas gedauert, bis ich das begriffen habe. Stracke, Blitzmerker. Naja, besser spät als nie….
Nun aber stelle ich fest:
Soviele Belohnungen in so kurzen Zeitintervallen habe ich mein Lebtag noch nicht bekommen! Weisst du, wozu das führt? >> Freude!! Ein tolles Gefühl. Freude am eigenen Dasein, Hiersein. Wow.

Es lohnt sich also und gar so schwer ist es nicht, sich selber auf die Spur zu kommen:

1. die Entscheidung: ich will mehr vom Leben
2. erforsche dein eigenes Wesen bis in den letzten Atomkern
3. MACHE aus dem, was du findest, einfach Grossartiges!

Das – und nichts anderes – ist dein Job! (Meiner übrigens auch.)

So, nu´ isses raus, nun weisst du, warum ich soviel und gerne rede – nimm´ dir davon, was du brauchst! Und:

Bleib´ souverän!

„Hach, sei nicht immer so altklug!“
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