Ratschläge und Vorschläge

Ach du jeminee….da habe ich mich gestern doch glatt dabei erwischt, Ratschläge zu erteilen und Vorschläge zu machen! Ich habe quasi nur so um mich geschlagen!!
Au backe, wie kann man nur….leider ist mir das viel zu spät aufgefallen, da war das Gespräch schon längst gelaufen. Und nun schlug es mich zurück: das schlechte Gewissen.

Hach, wie unprofessionell, wie unelegant! Stracke mal wieder holterdipolter, Elefant im Porzellanladen.
Demütig stellte ich mich im Geiste vor den Spiegel und gelobte mir, aktuellen sowie allen zukünftigen Unterstützungsuchenden Besserung.

Peinlich, peinlich, aber es hilft nix: Augen auf, Hirn einschalten und das soeben beendete Gespräch analysieren.
Was hätte an welcher Stelle besser laufen können?

Überraschendes Ergebnis: Nichts. In diesem speziellen Fall tatsächlich: Nichts!

Aus einem lähmenden emotionalen Tief heraus mussten Handlungsoptionen entwickelt werden, und das – wegen Zeitdruck von außen – möglichst schnell. Also galt es, die emotionale Energie wenigstens soweit zu erhöhen, dass nicht nur gedacht, sondern auch gefühlt wird: keinen Bock mehr auf devote Passivität!

Dann geht es daran, möglichst viele Punkte zu finden, an denen die Person selber schrauben kann, um drohendes Unheil abzuwenden oder wenigstens einen zeitlichen Aufschub herauszuholen.

Ja klar kann ich durch geschickte Fragestellung den anderen „selber drauf kommen“ lassen. So kann ich natürlich Sitzungen schinden….das kann dauern…
Im Ernstfall ist in der Zwischenzeit die Wohnung weg, das Auto gepfändet, die Kinder in der Obhut des Jugendamtes etc. etc.

Ich hab´s aber lieber schnell und konkret (was hier auch echt angesagt war) und außerdem weiß ich aus eigener Erfahrung, dass das Denkvermögen in einem emotionalen Tief….ääh….sagen wir mal….leicht eingeschränkt ist.

Also habe ich aus meinem Fundus Vorschläge herausgeballert nach dem Motto: Nimm, was grad für dich passt!
Natürlich sind alle diese Möglichkeiten bereits in der anderen Person drin, die ist ja nicht doof! Aber halt in diesem Moment nicht greifbar.
Nun, das ändern wir doch ganz schnell!

Und was ich noch von mir kenne:
Geht es in solchen Momenten der Kaninchen-Schockstarre nicht genau darum, zur Abhilfe eine andere Energie, ein anderes Gehirn anzuzapfen? Ich koche doch sonst nur in meiner eigenen Suppe, es dreht sich das Gedankenkarussell in der Endlosschleife, ohne brauchbares Ergebnis.
Im Gegenteil, es zieht mich nur noch mehr runter und aus dem Kreis des Karussells wird einer des Teufels.

Des Teufels und tatsächlich Schläge sind Rat- und Vorschläge aus meiner Sicht erst dann, wenn Bedingungen daran geknüpft werden.

Dann, wenn ich erwarte, dass meine Vorschläge jetzt auch 1:1 übernommen werden, ich also dem anderen mein Konzept überstülpe. Ich als Ratgeber habe den Job, flexibel zu sein und meine weitere Begleitung anzupassen, wenn meine Tipps modifiziert angewendet werden oder gar durch meine Impulse ganz neue Ideen beim anderen auftauchen.

Und dann, wenn der Empfänger erwartet, dass ich haargenau DEN EINEN für ihn passenden Ratschlag gebe und ihn womöglich auch noch für ihn umsetze.
Also, ´n bisken Eigeninitiative muss schon, ne 

Nicht immer, aber oft empfinde ich Rat- und Vorschläge als Abkürzung, als Impulspiekser – und nicht selten entspringt sogar der empörten Ablehnung des Empfängers aus dessen eigenem Inneren die Lösung seines Problems!

Na, da ham wir´s doch: Sie haben ihr Ziel erreicht!
Gehobene Stimmung (naja, zumindest lebendiger als vorher), rein in die Aktivität, ein Stück Souveränität zurückerobert!

Ich bleibe dabei: ich schlage vor und ich schlage auch Rat.

Bleib´ souverän!

Vorschläge und Ratschläge

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